Wir haben Nika gestern von Paris abgeholt und er war absolut begeistert – seine erste west-europäische Hauptstadt! Er hat es, obwohl er nur 24 Stunden dort war, wirklich geschafft, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzuschauen und tolle Fotos zu machen, zum Beispiel vom Eiffelturm, Notre Dame, Arc de Triomphe, Sacre coeur, Montmartre…ich habe ein kleines bisschen Sehnsucht bekommen!
Ich war ja vor 11 und 12 Jahren jeweils 2 Wochen zum Schüleraustausch in Paris, eine sehr positive Erfahrung. Ich hatte damals gerade erst ein halbes Jahr lang Französisch gelernt und wurde von meiner Lehrerin gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte. Die anderen hatten meist schon in der 7. Klasse mit Französisch begonnen, als ich Latein gewählt hatte. Wahrscheinlich hat mir mein damaliger Aufenthalt in einer französischen Familie die Scheu genommen, mich ungeachtet begrenzter Sprachkenntnisse in einer Fremdsprache zu verständigen.
Anders als Nika jetzt war ich damals allerdings fürs französische Nachtleben zu jung – Nika hat es, nach stundenlanger touristischer Wanderungen, tatsächlich noch in einen Nachtclub geschafft und ist von dort aus direkt zum Flughafen gefahren worden. In welchem Zustand ich ihn dann morgens wieder in Düsseldorf abgeholt habe, kann man sich wohl denken – total kaputt!
Ein kleiner Wermutstropfen sind die Aktivitäten von Nikas Freund in Frankreich. Der war mit den Leistungen des französischen Staates für Asylanten wohl nicht ganz zufrieden und liebäugelt gerade damit, Teilzeit-Kleinkrimineller zu werden bzw. ist es schon. Klar, ein Taschengeld von 200€ ist nicht viel, die gestellte Wohnung war nicht gerade attraktiv und das Essen war auch nicht wie bei Muttern in Georgien – aber dafür eine geregelte Zukunft in Europa leichtfertig aufs Spiel zu setzen, finde ich ganz schön gewagt und irgendwo auch sehr traurig. Denn Nikas Freund ist erst 21 und bis dahin ziemlich behütet aufgewachsen und wenn seine Eltern wüssten, was ihr Sohnemann in der Ferne so treibt, würde sie wahrscheinlich der Schlag treffen. Mein Vater hat heute versucht, Nika zu erklären, dass er seinen Freund unbedingt dazu bringen muss, sich an die Regeln zu halten, auch wenn die “Flics” ihn bis jetzt haben laufen lassen. Hoffentlich sieht er ein, dass er sich auf lange Sicht selbst schadet.
Morgen ist übrigens Vatertag bzw. Christi Himmelfahrt, meine Geschwister kommen aus Bochum und wir wollen mittags im Garten grillen. Damian ist vom Garten meiner Eltern übrigens immer noch total begeistert und steuert jetzt schon selbständig den Sandkasten an, sobald die Tür zum Garten aufgemacht wird.